Predigt über "Die Herren dieser Welt gehen, unser Herr aber kommt!" (Gustav Heinemann 1950)

Pfarrer Steffen Hunder am 25.2.18 in der Friedenskirche in Essen Dellwig


"Die Herren dieser Welt gehen, unser Herr aber kommt!" (Gustav Heinemann 1950)

Dieses markante Wort, liebe Gemeinde, stammt von keinem geringeren als von Gustav Heinemann. Heinemann hat diesen eindrucksvollen Satz 1950 geprägt, als der Evangelische Kirchentag hier in Essen stattfand unter dem Motto.

"RETTET DEN MENSCHEN“

5 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges ging es auf dem Kirchentag in Essen darum, wie die Menschen wieder eine Orientierung und einen Sinn für ihr Leben bekommen können. Der Nationalsozialismus hatte ein ganzes Volk, ja, einen ganzen Kontinent in eine Katastrophe von gigantischen Ausmaßen gestürzt. Zig Millionen Menschen waren Opfer des Krieges geworden; viele Städte in den Ländern Europas glichen riesigen Steinwüsten und Trümmerhaufen. Voller Scham und voller Schuld bekannte der Rat der Evan- gelischen Kirche in Deutschland im Oktober 1945 unter Anwesenheit von Vertretern des Ökumenischen Rates der Kirchen folgendes: Mit großem Schmerz sagen wir:
Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden...Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekämpft, der im national- sozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat;
Aber wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben !!

"Die Herren dieser Welt gehen,
unser Herr aber kommt!"
so Gustav Heinemann 1950 auf dem Essener Kirchentag!!

Und Heinemann wusste wovon er sprach, liebe Gemeinde! Der Herr, den die Deutschen Christen als den neuen Messias gefeiert hatten und mit dem das neue, tausendjährige Reich beginnen sollte, dieser Herr war, Gott sei Dank, 1945 endgültig gegangen!!

Aber was hatte Hitler und seine menschenverachtende und völker- mordende Ideologie des National- sozialismus in Deutschland und ganz Europa angerichtet! Keine Diktatur hatte bis dahin so perfekt, so kaltblütig und so gnadenlos die planmäßig organisierte und fabrikmäßig durchgeführte Vernichtung eines Volkes betrieben!!

Wie konnte es dazu kommen, dass aus dem Volk der Dichter und Denker ein Volk der Richter und Henker wurde?? Der Pfarrer Martin Niemöller, der zunächst die Regierungs- übernahme durch die Nazis am 30.0l.1933 begrüßt hatte, dann einer der führenden Persönlichkeiten der Bekennenden Kirche war und schließlich als persönlicher Gefangener von Adolf Hitler einge- sperrt wurde, hat zu dieser Frage eine sehr bemerkenswerte Antwort gegeben:

"Als sie die ersten Kommunisten holten, habe ich geschwiegen;
denn ich war kein Kommunist!
Als sie die ersten Juden holten, habe ich geschwiegen, denn ich war kein Jude!
Als sie die ersten Katholiken holten, habe ich geschwiegen,
denn ich war kein Katholik!
Als sie mich holten, war niemand mehr da, der seine Stim- me hätte erheben können!!

So, liebe Gemeinde, hat das diktatorische System der Nazis damals funktioniert, so funktionieren auch heutige diktatorische Systeme! Leider Gottes gab es damals nur sehr wenige - auch im Bereich der evangelischen Kirche - die bereit waren, dem Rad der Geschichte in die Speichen zu fallen und sich nicht nur darauf zu beschränken, die Opfer zu verbinden, die unter das Rad der Geschichte geraten sind. Einer von ihnen war Dietrich Bonhoeffer, der schon sehr früh erkannt hatte, wie menschenver- achtend und zerstörerisch dieses nationalsozialistische Regime ist.

„Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen!“

Diesen an Deutlichkeit nicht zu übertreffenden Satz hatte er 1935 als Leiter des Finkenwalder Predigerseminars der Bekennenden Kirche einem seiner Kandidaten mit auf den Weg gegeben. Dietrich Bonhoeffer hatte sich der Widerstandsbewegung um Oberst Stauffenberg angeschlossen, weil er der tiefen Überzeugung war, dass ein Tyran- nenmord gerechtfertigt sei, wenn dadurch großes Unheil abgewendet werden kann. Mit dieser Auffassung gehörte er zu einer ganz kleinen Minderheit innerhalb der Evange- lischen Kirche. Als am 20. Juli 1944 das Attentat auf Hitler scheiterte, war dem im Gefängnis sitzenden Bonhoeffer klar, dass seine Über- lebenschancen äußerst gering sind. Sein Name fehlte in dieser Zeit auf den Fürbittlisten derjenigen, für die in den evangelischen Kirchen ge- betet wurde. Am 9. April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenburg in Bayern von den Nazis ermordet!!

Dietrich Bonhoeffer starb im festen Glauben an die Gewissheit, die Gustav Heinemann 5 Jahre später hier in Essen auf dem Kirchentag formuliert hatte:

"Die Herren dieser Welt gehen,
unser Herr aber kommt!"

"Fallen wir in die Hände der Menschen,"so hatte Bonhoeffer 1937 geschrieben, "trifft uns Leiden und Tod durch mensch- liche Gewalt, so sind wir doch dessen gewiss, dass alles von Gott kommt. Er, der keinen Sperling fallen sieht ohne sein Wollen und Wissen, er lässt den Seinen nichts geschehen, als was ihnen und der Sache, für die sie stehen, gut und nützlich ist. Wir sind in Gottes Händen!"

Dass diese Worte für Bonhoeffer bis zu seinem letzten Atemzug von seinem Leben gedeckt waren, belegt der Bericht des Lagerarztes, der Bonhoeffer vor dessen Hinrichtung noch gesehen hat. Dieser Arzt schrieb einige Jahre nach der Ermordung Bonhoeffers: "Durch die halboffene Tür eines Zimmers im Barackenbau sah ich vor der Ablegung der Häft- lingskleidung Pastor Bonhoeffer im innigen Gebet mit seinem Herrgott knien. Die hingebungs- volle und erhörungsgewisse Art dieses Gebetes dieses außer- ordentlich sympathischen Mannes hat mich auf das tiefste erschüttert. Auch an der Richtstätte selbst verrichtete er noch ein kurzes Gebet und bestieg dann mutig und gefasst die Treppe zum Galgen. Der Tod erfolgte nach wenigen Sekunden. lch habe in meiner fast 50jährigen Tätigkeit kaum je einen Mann so gottergeben sterben sehen!!"

Durch die Ermordung Dietrich Bonhoeffers, liebe Gemeinde, hat, die Evangelische Kirche einen ihrer klügsten, aufrichtigsten, mutigsten und glaubwürdigsten Theologen des 20. Jahrhunderts verloren!! Bei Dietrich Bonhoeffer können wir durch sein Leben gedeckt lernen, was es heißt, verantwortlich als Christ in dieser Welt zu leben und das Wort von Gustav Heinemann wirklich ernst zu nehmen:

"Die Herren dieser Welt gehen,
unser Herr aber kommt!"

Gustav Heinemann war damals als Anwalt tätig und Presbyter in unserer Altstadtgemeinde! Gemeinsam mit den Pfarrern kämpfte Heine- mann gegen die Deutschchristliche Ideologie, die nicht mehr Jesus Christus und Gott als den Herrn der Geschichte betrachtete, sondern den Führer und seine Rassen und Blut und Bodenideologie!! " Hitler ist jetzt der Weg des Geistes und Willens Gottes zur Christuskirche deutscher Nation!" so formulierten die Deutschen Christen 1934 ihre Glaubensvorstellung! Damit stand die Grundlage des christlichen Glaubens und der Kirche auf dem Spiel!!

Im Mai 1934 verabschiedete die Bekenntnissynode von Barmen eine Erklärung, die unmissverständlich deutlich machte, wer der Herr der Geschichte ist und wem wir im Leben und Sterben zu gehorchen und vertrauen haben.
ln der 1. These heißt es: "Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird ist das Eine Wort Gottes, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen haben!!“

„Verwerfung!!'

„Wir verwerfen die falsche Lehre als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem Einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen!!“
Der Vater Jesu Christi, liebe Gemeinde, ist der Herr der Geschichte und auch unseres Lebens! Darüber gab es für die Männer und Frauen in der Bekennenden Kirche keinen Zweifel!! Aus dieser tiefen Über- zeugung heraus kämpften sie gegen die Deutschen Christen, nahmen viele Repressalien bis hin zur Bespitzelung und Verhaftung in Kauf.

Ein besonders beeindruckendes Erlebnis aus dieser Zeit hat Dr. Diether Posser, unser ehemaliger Finanzminister, vor etlichen Jahren in unserer Kreuzeskirche am Buß- und Bettag erzählt, als er über den Kirchenkampf im 3. Reich in Essen berichtete: "An einem Sonntag im Frühjahr 1934 saß ich als Kate- chumene mit meiner Mutter in der Alten Pauluskirche, die dort stand wo sich heute das Haus der Kirche befindet. Die Kirche war mit fast 2000 Menschen besetzt und Pfarrer Graeber sollte den Gottesdienst halten. Da betrat ein Mitglied der Deutschen Christen die Kirche und verkündete: Heute fällt der Gottesdienst aus! Pfarrer Grae- ber hat Redeverbot!! Daraufhin - so Posser - verließen wir alle das Gotteshaus, versammelten uns im großen Saal des Essener Hofes und feierten dort Gottes- dienst!! In der folgenden Woche mietete Gustav Heinemann den großen Saal der Börse - dem heutigen Haus der Technik - kaufte gemeinsam mit Pfarrer Graeber 800 Stühle und wir feierten bis auf weiteres dort unsere Gottesdienste. lch möchte besonders betonen, so Diether Posser, dass ich dann im Saal der Börse auch konfirmiert wurde!!"

Dieser Bericht von Dr. Posser zeigt, liebe Gemeinde, wie die Nazis systematisch versucht haben, alle Bereiche des Lebens - auch den der Kirche - gleichzuschalten!! Und es war nicht selten dem diplomatischen und auch juristischen Geschick von Gustav Heinemann zu verdanken, dass schlimmeres Unheil für bekennende Gemeindeglieder und auch Pfarrer verhindert werden konnte!! Die Altstadtgemeinde war - ohne Übertreibung - eine Hochburg der Bekennenden Kirche in der Zeit des 3. Reiches!! Männer wie Pfarrer Graeber, Pfarrer Boettcher, Pfarrer Busch vom Weigle-Haus und Gustav Heinemann ließen sich nicht von den Deutschen Christen einschüch- tern, sondern hielten mutig und entschlossen an der biblischen Botschaft fest!

Besonders erbitterte Kämpfe gab es in punkto Jugendarbeit in unserer Gemeinde. Der Reichsbischof Müller hatte bereits 1933 entgegen vorheriger Versprechen einen Vertrag mit der Hitler-Jugend abgeschlossen, demzufolge die kirchliche Ju- gendarbeit in die HJ einzugliedern sei. Davon war die Arbeit des Weigle-Hauses aufs schwerste betroffen. Der Jugendpfarrer Wilhelm Busch protestierte dagegen in einem Telegramm an den Reichs- bischof und warf ihm „Wortbruch“ vor Daraufhin wurde Busch sofort vom Kirchlichen Konsistorium vom Dienst suspendiert! Anfang 1934 kam es vor dem Weigle-Haus zu einer regelrechten Schlacht mit der Hitler-Jugend, die das Haus stürmen wollte. Die Hitler-Jugend zog dabei den kürzeren und wurde in die Flucht geschlagen!!

"Die Herren dieser Welt gehen,
unser Herr aber kommt!"

Am 8. Mai 1945 war, Gott sei Dank, die Schreckensherrschaft des selbsternannten Herrn über die Geschichte zu Ende!! Dieser Zu- sammenbruch war für viele Menschen in Deutschland sehr schmerz- voll und niederschmetternd! Aber dieser befreiende Zusammenbruch von einer menschenverachtenden und tyrannischen Diktatur hat unmissverständlich aufgezeigt: KEIN MENSCH - auch nicht ein größenwahnsinniger Tyrann wie Adolf Hitler - kann sich zum Herrn der Geschichte aufschwin- gen!!
Gott ist und bleibt der Herr der Geschichte!!
Diese Erkenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Bibel! Und wir verdanken es keinem geringerem als Gustav Heinemann, einem der herausragendsten Per- sönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, dass er uns diese Erkenntnis mit seinem markanten Wort von 1950 wieder ins Bewusstsein gehoben hat:

"Die Herren dieser Welt gehen,
unser aber Herr kommt!"

Gustav Heinemann, liebe Gemeinde, war ein sehr konsequenter Mensch, der sich stets von seinem Gewissen leiten ließ und für seine Überzeu- gungen eingestanden ist.
Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland tagte 1950 parallel zum evangelischen Kirchentag hier in Essen und verabschiedete u.a. folgende Entschließung zur Wieder- bewaffnung:

„Eine Remilitarisierung Deutschlands können wir das Wort nicht reden, weder was den Westen, noch, was den Osten anbe- langt!“ Heinemann teilte diese Auffassung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. Glaube und politische Verantwortung gehörten für ihn untrennbar zusammen. Er war davon überzeugt, dass die Teilung Deutschlands dadurch zementiert wird, wenn beide deutsche Staaten Soldaten einberufen.

Als Adenauer den Amerikanern gegenüber ein einseitiges Angebot ohne Rücksprache mit dem Kabinett zur Aufstellung einer westdeutschen Armee machte, trat Gustav Heine- mann 1950 konsequenter Weise als Innenminister zurück.

Weil er die Entscheidung für die Wiederbewaffnung nicht mittragen konnte, ist er 1952 sogar aus der CDU ausgetreten und gründete noch im selben Jahr die GVP - die Ge- samtdeutsche Volkspartei -! Allerdings erhielt die GVP bei der Bundestagswahl 1953 nur den sehr geringen Stimmenanteil von 1,2%!

Gustav Heinemann hat sich immer wieder dafür eingesetzt, an der Wiedervereinigung festzuhalten, um so zu verhindern, dass in Deutsch- land Deutsche gegen Deutsche zu den Waffen greifen müssen.

Im Januar 1955 verabschiedeten die Gegner der Wiederaufrüstung in der Frankfurter Paulskirche das Deutsche Manifest. Dort schrieben sie u.a. folgendes: „Die Aufstel- lung deutscher Streitkräfte in der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetzone muss die Chance der Wiedervereinigung für unabsehbare Zeit auslöschen und die Spannung zwischen Ost und West verstärken. Das furchtbare Schicksal, dass sich die Geschwister in einer Familie in verschiedenen Armeen ge- genüberstehen, würde Wirklichkeit werden ...“

Diesen Aufruf unterzeichneten neben Gustav Heinemann u.a. Erich Ollenhauer, der Vorsitzende der SPD, Erich Kästner und der große Theologe und enge Freund Heinemanns Helmut Gollwitzer.

Heinemann war auch jemand, der durch klare und deutliche Worte eindeutig Position bezog! „Ein halber Christ ist ein ganzer Unsinn“, ist ein solcher markanter Ausspruch Gustav Heinemanns. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass sich ein Christenmensch in allen Bereichen des Lebens seinem Glauben und der Welt gegenüber verantwortlich weiß!

Gustav Heinemann scheute sich deshalb auch überhaupt nicht, in der Öffentlichkeit über seinen Glauben zu sprechen und deutlich zu machen, wer für ihn der Herr der Geschichte ist.

Eines der beeindruckendsten Belege für diese konsequente Haltung stammt aus dem Jahr 1958! Heinemann war - nachdem er 1957 Mitglied der SPD wurde - seit 1957 Mitglied im Deutschen Bundestag! In den hitzigen Debatten um die Frage der Wiederbewaffnung wurde Heinemann immer wieder der Vorwurf gemacht, dass er auf dem linken Auge blind sei. Das heißt, dass er linke Parteien mehr bevor- zuge als konservative. Dieser Vorwurf war absurd, da Heinemann 1945 selbst die CDU mitgegründet hatte.

Als ihm in einer hitzigen Debatte im Bundestag 1958 wieder einmal der Vorwurf der Bevorzugung der Linken gemacht wurde, hat er kurz und prägnant folgendes geantwortet: „Jesus Christus ist nicht gegen Karl Marx, sondern für uns alle gestorben!“  Dieser markante und provokante Satz von Gustav Heinemann hat damals unglaublich heftige Reak- tionen hervorgerufen, weil sich zum ersten Mal ein Bundestagsabgeord- neter so ausdrücklich zu seinem christlichen Glauben in einer öffent- lichen Debatte bekannt hat! Damit setzte Gustav Heinemann ein deutliches Zeichen für das Denken und Handeln aus christlicher Verantwor- tung in unserer Gesellschaft!

Für mich, liebe Gemeinde, war Gustav Heinemann einer der glaubwürdigsten und aufrichtigsten Christenmenschen des 20. Jahr- hunderts. Wie kaum ein Zweiter hat er es verstanden, christliche Glaubensüberzeugung und christliche Weltorientierung in den Dienst an und für die Gesellschaft zu stellen.

Ich würde mir von Herzen wün- schen, dass viel mehr Menschen dem Beispiel Gustav Heinemanns folgen und sich bewusst als beken- nende Christen in die Verantwor- tung und den Dienst für unsere Gesellschaft nehmen lassen!

Einer, der sich des Erbes Gustav Heinemanns in ganz besonderer Weise verpflichtet wusste, war der 2006 verstorbene Bundespräsident Johannes Rau! Für ihn war Gustav Heinemann nicht nur ein väterlicher Freund, sondern auch geistlicher und politischer Ziehvater!

Durch die Eheschließung mit seiner Enkelin verbanden Johannes Rau auch noch familiäre Bande mit Gustav Heinemann. Johannes Rau hatte 2003 zu einem Exklusiv-Interview die Kirchenzeitung „DER WEG“ zu sich nach Berlin einge- laden, um mit den Redakteuren über Gott und die Welt zu sprechen. Dabei kam insbesondere der erste bevorstehende Ökumenische Kirchentag in Berlin zur Sprache, wie auch die Rolle der Kirchen in unserer Gesellschaft!

Zum Thema Kirche sagte Johannes Rau: „Kirche ist nicht für sich selber da, sondern für die Welt. Und genau dies kann auf dem Ökumenischen Kirchentag zum Ausdruck kommen.“

Die Kirchen - so Johannes Rau – müssen nicht Politik machen, sondern Politik möglich machen. Das ist ein wichtiger Unter- schied!
Die Bibel -so Bundespräsident Rau - ist kein Rezept für politisches handeln. Die Bibel ist eine gute Nachricht. Darum sind Christen auch zum politischen Handeln aufgerufen. Aber es gibt nicht die biblische Botschaft, wie ich zu handeln habe! Selbst ein priester- liches Amt kann mir die Entschei- dung nicht abnehmen!

In Bezug auf das freudigste Ereignis der Christen – nämlich das Osterfest sagte Johannes Rau: „Mir hat ge- rade erst jemand geschrieben: Lass dir über den Karfreitag dieser gequälten Erde nicht die Freude an Ostern nehmen. Ich finde, das ist ein schönes Bild. Ostern sagt uns, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.“

Ein schöneres und beeindrucken- deres Bekenntnis zum Glauben an den Herrn der Geschichte kann wohl kaum abgelegt werden!

Ich wünsche uns allen, liebe Gemeinde, dass auch wir uns mit Johannes Rau, unserem ehemaligen Bundespräsidenten aus tiefem Herzen über diese großartige Botschaft freuen können, die seit Ostern gilt:

Dem Tod ist die Macht genommen!
Das Leben hat gesiegt!
Die Herren dieser Welt gehen – auch der Tod
unser Herr aber kommt!

Amen.