Nach 11 ½ Stunden Flug treffen wir in Windhoek/ Namibia ein. Der Transfer zur Windhoek Mountain Lodge gleicht bereits einer kleinen Safari. Paviane, Warzenschweine und die ersten Antilopen stehen am Straßenrand. Nach einem ausgiebigen Frühstück und der Zuteilung der Zimmer nehmen wir uns jeder ein Motorrad, welches für die nächsten zwei Wochen unser Transportmittel oder auch Spaßgerät sein wird und fahren eine Eingewöhnungsrunde von 100 km, um uns an die Crossbikes und an die verschiedenen Fahrbahnzustände zu gewöhnen. Eine echte Herausforderung für alle.

Wir, das sind Thomas, Dirk, Fred und Rolf. Mit uns fahren noch weitere 8 Biker aus dem gesamten Bundesgebiet. Nach einer ausgiebigen Grillparty am Abend, bei dem das ortsübliche Fleisch verspeist wird, starten wir am kommenden Morgen die 3000 km-Tour Richtung Kapstadt. Schon nach wenigen Kilometern stehen die ersten Biker links am Pistenrand. Jetzt schon Zigarettenpause? Weit gefehlt; einige Meter neben der Fahrbahn stehen drei Giraffen, an denen wir fast vorbei gefahren wären. Unfassbar diese wilden Tiere in ihrer natürlichen Umgebung bestaunen zu dürfen. Kurz einige Fotos und weiter geht’s auf der Schotterpiste. Die Straßen werden von Tag zu Tag immer anspruchsvoller, unsere Fahrkünste aber auch immer besser. Nur die tiefen Sandpisten sind jeden Tag eine neue Herausforderung. Viele Streckenabschnitte sind nur stehend auf dem Motorrad zu bewältigen. Sowohl die Betreuung durch den Veranstalter als auch die Unterkünfte und die Verpflegung sind erstklassig. Man hat den Eindruck, dass alles jeden Tag noch eine Spur besser, wenn nicht sogar exklusiver wird. Am ersten Abend der Tour eine hervorragende Lodge mit gigantischen Felsen unmittelbar vor der Tür und nach hinten raus eine Steppe bis zum Horizont. Am zweiten Abend in der Nähe von Helmeringhausen ein Camp mit Zelten mit dicken Matratzen, weißer Bettwäsche und weiß gedeckten Tischen unter einer alten Akazie, die schon ca. 1.300 Jahre alt sein soll. Bei völliger Dunkelheit erhellt ein elektrischer 5flammiger Kronleuchter im Baum das Lager. Man fühlt sich, wie in einem alten amerikanischen Abenteuerfilm aus den 50ern. Der nächtliche Sternenhimmel verschlägt einem den Atem. Man hat den Eindruck, die Sterne seien zum Greifen nah. Am folgenden Morgen geht es nach einem üppigen Frühstück weiter Richtung Lüderritz. Eine alte deutsche Stadt aus der Kaiserzeit. Auf dem Weg zu einer Geisterstadt, einer alten deutschen Diamantenstadt, geraten wir in einen Sandsturm, der sich gewaschen hat. Man kommt sich vor, wie Lawrence von Arabien beim Ritt durch die Wüste. Alle Körperstellen, die nicht wirklich bedeckt sind, werden Sand gestrahlt. Eine echte Herausforderung über ca. 50 km mit teilweise verheerenden Sichtweiten. Der Motorradanzug sieht bereits nach einigen Tagen durch den Staub und den Sand entsprechend aus. Zuhause käme ich so nicht mehr in die Wohnung. Das nächste Ziel ist ein erstklassiges Hotel mit Pool und fantastischem Service. Das kalte Bier am Abend spült die Kehle wieder frei.

Afrika wird jeden Tag wilder, die Pisten zunehmend abenteuerlicher, aber deshalb immer beeindruckender. Teils fahren wir durch ewige Savannen und Steppen, andererseits geht es am Fluss entlang durch sattes Grün. An einem anderen Tag fahren wir die gebirgigen Pässe rauf und runter. Das Wetter und die Aussichten sind jeden Tag gigantisch. Wir sind jeden Tag deutlich über 25°C bis zu 42°C. ; der Trinkrucksack war eine geniale Idee. Und immer wieder andere Tiere: Kudus, Oryxantilopen, Kojoten, Strauße, Paviane und immer die Warnschilder wegen wilder Pferde oder Hyänen. Wenn wir dann mal die Westküste von Südafrika erreichen, wird es auch gleich merklich kühler. Aber auch hier ist die Aussicht erschlagend. Schneeweiße Gischt auf meterhohen Wellen soweit man sieht. Man möchte sofort mit dem Strandurlaub beginnen. Je näher wir Kapstadt kommen, umso häufiger fahren wir durch scheinbar endlose Weinfelder. Am Abend wird das fertige Produkt natürlich ausgiebig getestet. Mittlerweile sind die Pisten keine Herausforderung mehr. Lediglich die Sandpisten, die Gott sei Dank immer seltener werden, sind weiterhin beeindruckend. Dann kommen wir ganz unten in Afrika an. Weiter südlich geht es nicht. Hier treffen Atlantik und Indischer Ozean zusammen. Weiter südlich kommt nur noch die Antarktis. Ein kleines Stück weiter nordwestlich treffen wir auf das Kap der guten Hoffnung. Nach zwölf Tagen wilder Motorradtouren erreichen wir das Ziel unserer Motorradreise, Kapstadt, die Hauptstadt von Südafrika. Nach zwei weiteren Tagen ist die Biketour offiziell beendet. Wir vier bleiben noch drei weitere Tage in der beeindruckenden Weltmetropole.

Der alles überragende Tafelberg, Robben Island (für viele Jahre die Gefängnisinsel für den späteren Staatspräsidenten Nelson Mandela) und die Weihnachtsmusik sowie der riesige Weihnachtsbaum mitten im sommerlichen Szeneviertel bei deutlich über 20° C. sind Eindrücke, die man nie mehr vergessen wird.

Wenn man einmal vom Afrikavirus gepackt wurde, lässt dieser einen tatsächlich nicht mehr los.

Ich komme wieder

Thomas, Rolf, Dirk und Fred

 

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