06. Januar 2019: Ergebnisse der Jugendsynode

 

Beschlüsse u. a. zu Partizipation sowie Jugend- und Familienarmut

Bad Neuenahr. Die erste Jugendsynode der Evangelischen Kirche im Rheinland macht sich für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, für neue Gemeindeformen und die stärkere Teilhabe von jungen Leuten auch an der Leitung von Kirche stark. Am Ende dreier intensiver Tagungstage gaben die 110 Delegierten der heute beginnenden Landessynode, dem obersten Leitungsgremium der rheinischen Kirche, fünf Beschlüsse mit auf dem Weg. Die fünf Beschlüsse der Jugendsynode im Überblick:

Partizipation

Die Evangelische Kirche im Rheinland soll verbindliche Formen der Teilhabe junger Menschen in ihrer gemeindlichen Arbeit und in ihren Gremien schaffen. Konkret schlägt die Jugendsynode der Landessynode vor, über einen Zeitraum von drei Jahren mit fünf Kirchenkreisen innovative Modelle zur Partizipation junger Menschen zu erproben. Kirchliche Schulen sollen exemplarisch Teilhabe als Element demokratischen Handelns einüben. Außerdem sollen „wirksame und überprüfbare Qualitätskriterien“ für die Partizipation in der kirchlichen Gremienarbeit entwickelt werden. Die Kirchengemeinden und Kirchenkreise sollen verbindliche Fachausschüsse für Jugend einrichten, in denen junge Menschen die Hälfte der Mitglieder stellen. Dazu soll auch die Kirchenordnung geändert werden.

Die Jugendsynode hofft zudem, dass die Kirchenkreise künftig mehr junge Menschen in die Landessynode entsenden. Impulse erwartet die Jugendsynode von der Landessynode auch für die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden. Sie schlägt beispielsweise einen Rahmenplan vor, aus denen Gemeinden zusammen mit den Jugendlichen religionspädagogische Module ausgesucht werden. Auch an eine engere Verzahnung von Konfiarbeit und Jugendarbeit denkt die Jugendsynode. Über diese Vorschläge für mehr Partizipation junger Menschen in der Kirche hinaus, hat die Jugendsynode auf gesellschaftliche Teilhabe im Blick. So erhofft sie, dass die Landessynode sie in ihrer Forderung, das aktive Wahlalter auf Landes- und Bundesebene zu senken, unterstützt.

Geflüchtete/EU-Außengrenzen

Angesichts einer permanenten Verschärfung des Asylrechts und restriktiven Abwehr von Flüchtenden an den Außengrenzen der Europäischen Union (EU) beschäftigte die  Teilnehmenden der Jugendsynode vor allem das Schicksal unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter. Sie fordert die Gemeinden ihrer Kirche auf, vor der Europawahl im Mai 2019 das Gespräch mit Politikerinnen und Politikern zu suchen und sie für die  besondere Schutzbedürftigkeit dieser jungen Menschen vor Missbrauch, Menschenhandel und Ausbeutung zu sensibilisieren. Beispielhaft nennt sie ein Projekt des Kirchenkreises Jülich, das minderjährigen Geflüchtenden, die im marokkanischen Oujda gestrandet sind, Lebensperspektiven ermöglicht.

Darüber hinaus empfehlen die Jugendsynodalen, die Evangelische Kirche im Rheinland solle sich dem Bündnis Seebrücke anschließen. Die von Bündnissen und Akteuren der Zivilgesellschaft getragene Bewegung setzt sich für sichere Fluchtwege ein, für eine Entkriminalisierung der Seenotrettung und die menschenwürdige Aufnahme derjenigen, die auf der Flucht sind. Um möglichst viele Schiffbrüchige aus dem Mittelmeer zu retten, spricht sich die Jugendsynode dafür aus, dass sich die Evangelische Kirche im Rheinland über ihr bisheriges Engagement hinaus an der Finanzierung eines neuen Schiffs für die Organisation SOS Mediterranee beteiligt.

Jugend- und Familienarmut

Zu verstärktem Engagement gegen Kinder-, Jugend- und Familienarmut fordert die Jugendsynode die Evangelische Kirche im Rheinland auf. Dazu gehören der Einsatz für die Umsetzung der von den Vereinten Nationen beschlossenen Kinderrechte, eine Kindergrundsicherung und eine Existenzsicherung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die gesellschaftliche Teilhabe gewährleistet. Eine „Kultur des Helfens“ soll ein Miteinander ohne „Geben-und-Nehmen-Gefälle“ ermöglichen.

Im Leitpapier fordert die Jugendsynode die Kirche auf, sich für niederschwellige lokale Servicestellen einzusetzen, die Kinder, Jugendliche, Eltern und Familien beraten und unterstützen. Die Stellen sollen hilfesystemübergreifend arbeiten. Kritisiert wird das sogenannte Schnittstellenmanagement für Jugendliche, die zum Beispiel in der Erziehungshilfe aufgewachsen sind. Bei Volljährigkeit ende die finanzielle Unterstützung. Doch wer zuvor im Heim untergebracht gewesen sei, brauche dann ein neues Dach über dem Kopf.

Die Jugendsynode beklagt, dass die Kinderarmutszahlen in Deutschland seit Jahren auf hohem Niveau seien. Durchschnittlich sei jedes vierte Kind in Deutschland von Armut betroffen. Das bedeute, dass eine Familie mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens leben müsse. Besonders Familien mit drei und mehr Kindern, mit Migrationshintergrund und Familien von Alleinerziehenden seien von Armut gefährdet. Bildungsabschluss und Wohlstand der Eltern bestimmten weiter erheblich den Schulerfolg und die Bildungswege der Kinder.

Die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen beschreibt die Jugendsynode als die am stärksten durch Armut gefährdete Altersgruppe. Ohne Schulabschluss sei die Gefahr eines dauerhaften Lebens in Armut sehr hoch. Die Sanktionsregeln des Sozialgesetzbuches II („Hartz IV“) für junge Menschen seien zudem strenger als für ältere und entkoppelten sie vom sozialen Sicherungssystem.

Positiv bezieht sich die Jugendsynode auf die Offene Kinder- und Jugendarbeit in evangelischer Trägerschaft. Die sozialraumorientierte Arbeit der Gemeinden und Kirchenkreise solle unterstützt werden. Rund 240 Einrichtungen im Rheinland böten viele Möglichkeiten der Verselbstständigung und der Selbstpositionierung für Jugendliche. Die Fachkräfte hätten ihren Blick geschärft für die Lebenslagen der Jugendlichen. Es würden unter anderem Mittagstische und Hausaufgabenhilfen angeboten und die Fachkräfte hätten immer ein offenes Ohr für Wünsche und Sorgen.

Gemeindeformen

Der Grundsatzbeschluss stand schon, jetzt muss noch die Finanzierung geregelt werden – und dazu gibt die Jugendsynode schon einmal kräftigen Rückenwind: „Mit Begeisterung“ schließt sie sich der Entwicklung neuer Gemeindeformen an. Denn: Die Förderung neuer Gemeindeformen und besonderer Gemeinschaften ist eine „Ermutigung zur Veränderung unserer Kirche“, wie es im einstimmig gefassten Beschluss heißt.

Im Einzelnen sind jetzt zu regeln, und darüber hat die Landessynode 2019 zu entscheiden: Mittel für die Finanzierung, auch von Pfarrstellen, Richtlinien für deren Vergabe sowie eine Projektstelle zur Koordinierung.

Die Förderung gilt für Formen von Gemeinde neben der Ortsgemeinde und für sogenannte Erprobungsräume. Dafür werden bis zu fünf Pfarrstellen und jährlich 500.000 Euro bereitgestellt, sieht die Vorlage an die Landessynode vor. So gibt die Landeskirche zwar eine Anschubfinanzierung, aber es wird sichergestellt, dass in der Region das Projekt durch Übernahme von Verantwortung und Aufbringen finanzieller Mittel verankert wird. Die Jugendsynode hat der Landessynode aufgetragen, im Vergabegremium, das die Kirchenleitung berufen soll, auch junge Menschen sowie den Verband Evangelische Jugend im Rheinland zu beteiligen.

Jugendarbeit

Die Jugendsynode setzt sich für verlässliche Ressourcen in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit ein. Gerade eine vielfältige evangelische Kinder- und Jugendarbeit benötige eine entsprechende personelle und materielle Ausstattung, erklärte Pfarrer Markus Risch bei der Einbringung des Beschlussantrags an die Jugendsynode. Deswegen sei es wichtig, flächendeckend ausreichend Personalstellen in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit vorzuhalten, die vom Stellenumfang so eingerichtet seien, dass sie in einer Zeit des zunehmenden Fachkräftemangels attraktiv blieben. Die Jugendsynode bittet die Landessynode daher, Beispiele guter Personalkonzepte in den Kirchenkreisen zu sammeln und zu kommunizieren. Die Jugendsynode fordert zudem ein verbindliches Qualifikationsniveau für beruflich in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit Tätige, damit diese auch für die „komplexer werdenden Lebenswelten der Jugendlichen und die sich verändernden kirchlichen Landschaften“ gerüstet seien, erklärte Risch. Dazu gehöre auch die Förderung beruflicher Kompetenzen, wo diese noch fehlten. Kirchengemeinden, in denen die materielle, personelle und auch räumliche Ausstattung der Kinder- und Jugendarbeit gefährdet sei, sollten unterstützt werden. Dafür solle die Landessynode entsprechende Möglichkeiten prüfen. Die Jugendsynode denkt dabei etwa an Anschubfinanzierungen, Budgets, Co-Finanzierungen oder Fundraising. Schaffung, Erhaltung und Stärkung von Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit beschreibt die Jugendsynode als Gemeinschaftsaufgabe, die alle Ebenen der Kirche verbindet.

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Stichwort: Jugendsynode

Die erste Jugendsynode der Evangelischen Kirche im Rheinland hat vom 4. bis 6. Januar 2019 getagt. Jeweils 50 Delegierte der rheinischen Landessynode und der Evangelischen Jugend im Rheinland bildeten das Gremium. Darüber hinaus arbeiteten insgesamt zehn Vertreterinnen und Vertreter aus der ehrenamtlichen Konfirmandenarbeit, von Studierenden- und Schulgemeinden sowie ökumenische Gäste mit.

Über die Jugendsynode informiert die Internetseite jugendsynode.ekir.de.

 

 

BERICHTE VON DER LANDESSYNODE 2019_02 vom 07. Januar 2019: Präsesbericht // Andacht von Kirchentagspräsident Hans Leyendecker

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Präses: „Öffentlich und offen davon sprechen, was und wer uns bewegt!“

Manfred Rekowski erstattet der Landessynode seinen jährlichen Bericht

Christinnen und Christen müssen verstärkt von dem sprechen, was sie bewegt. Das hat Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, gefordert: „Wir müssen öffentlich und offen davon sprechen, was und wer uns bewegt: der Glaube an den menschenfreundlichen Gott, den Vater Jesu Christi, der Glaube an Jesus Christus und an Gottes guten Geist“, sagte der oberste Repräsentant der rheinischen Kirche in seinem jährlichen Bericht vor der Landessynode.

So wichtig und richtig das Tun der Kirche sei, so sehr liege ihm auch daran, „dass nicht verborgen bleibt, von wem und von welcher Hoffnung wir uns dabei bewegen lassen. Es ist die Hoffnung auf Gottes kommendes Reich. Dies ist unser Markenzeichen als Kirche Jesu Christi, gerade auch dann, wenn wir öffentliche Verantwortung wahrnehmen“, so der 60-jährige Theologe: „Wir sind nicht die, die ein bestimmtes sozialpolitisches Konzept vertreten und deshalb unhinterfragbare Modelle zur Veränderung des Sozialstaates präsentieren. Wir hören aber auf Gottes Wort, das unmissverständlich unseren Einsatz für mehr Gerechtigkeit und für den Schutz der Schwachen fordert. Genau deswegen sind viele Frauen und Männer in Diakonie und Kirche karitativ oder anwaltschaftlich tätig.“

 

Eintreten für die, die am Rande stehen

Am Beispiel der Sozialpolitik machte Präses Rekowski deutlich, wo der Glaube zum Handeln dränge. So wachse ein großer Prozentsatz der Kinder in unserem reichen Land unter Hartz-IV-Bedingungen auf. Untersuchungen haben ergeben, dass ungeplante Ausgaben von vielen nicht zusätzlich zum tagtäglichen Lebensunterhalt gestemmt werden können. „All das“, machte Rekowski deutlich, „bedeutet keine eklatante Armut, wie wir sie aus anderen Ländern oder aus früheren Zeiten kennen. Und doch steht sehr vielen Menschen tagtäglich vor Augen, wie fragil ihre soziale Lage ist. Dies ist die Situation nach fast einem Jahrzehnt ungebrochenen Wirtschaftswachstums! Deshalb ist es richtig und wichtig, dass Kirchen und Sozialverbände auch in diesen prosperierenden Zeiten nicht nachlassen, für die Perspektive derer einzutreten, die in unserer Gesellschaft am Rande stehen.“

Warnung vor sich schleichend verändernden ethischen Standards

Zugleich mahnte Manfred Rekowski eine intensivere Diskussion über Bio- und Gentechnik an. Dabei hat er die neue gentechnische Methode, die landläufig „Genschere“ genannt wird und die die Möglichkeit eröffnet, das Genom der menschlichen Keimbahn gezielt zu verändern, ebenso im Blick wie einen nicht invasiven pränatalen Test auf Down-Syndrom, der als Regelleistung der Krankenkasse vermutlich dazu führen wird, dass Kinder mit dieser Chromosomenveränderung einfach nicht mehr geboren werden. Rekowski wörtlich: „Die Diskussionen bio- und medizinethischer Fragen müssen intensiv geführt werden. Anderenfalls verändern sich schleichend ethische Standards mit weitreichenden Folgen für betroffene Menschen, aber auch für uns alle im gesellschaftlichen Miteinander!“

Parteilichkeit für die Bewahrung der Schöpfung

Eine besondere Herausforderung liegt für die rheinische Kirche im Norden des Kirchengebiets vor der Haustür: Seit vielen Jahren sind die Verantwortlichen der Kirchenkreise in den vom Braunkohletagebau betroffenen Regionen in intensiven Gesprächen sowohl mit denen, die im Tagebau arbeiten, als auch mit denen, die ihre angestammte Heimat verloren haben und noch verlieren. „Insgesamt sind fünf unserer Kirchenkreise vom Braunkohletagebau betroffen. Dort leben über 450.000 evangelische Gemeindeglieder. Ich danke allen, die solche Gespräche, in denen in der Regel unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen, führen. Dennoch gibt es durchaus eine Parteilichkeit der Kirche, die von ihrem Auftrag und ihren biblischen Wurzeln her gefordert ist. Das ist einmal die Parteilichkeit für die Armen. Und das ist die Parteilichkeit für die Bewahrung der Schöpfung“, unterstrich Präses Rekowski.

Für gute Gottesdienst-Qualität sorgen

Herausforderungen gebe es aber auch mit Blick in die Kirche, unterstrich der oberste Repräsentant von mehr als 2,5 Millionen Gemeindegliedern zwischen Niederrhein und Saarland: „Im Jahr eins nach dem Reformationsjubiläum müssen wir beim Blick in die Statistik zur Kenntnis nehmen, dass die Zahlen der Gottesdienstbesucherinnen und -besucher weiter gesunken sind. Bewirken unsere Gottesdienste, und wie wir sie feiern, möglicherweise eine weitere Milieuverengung? Wir sind auch hier eine veränderungsbedürftige Kirche. Ich bin deshalb dankbar für alle Initiativen von Gemeinden und Presbyterien, die sich auf den Weg machen, neue und weitere Formen christlicher Spiritualität auszuprobieren und zu leben, und für die der Gottesdienst nicht nur eine abzuarbeitende Routineübung ist. Das Gelingen liegt nicht in unserer Hand. Wohl aber haben wir für eine möglichst gute Qualität zu sorgen, damit Gott und den Menschen Raum zur Begegnung eröffnet werde.“

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Hans Leyendecker: Rassisten und Hetzern kein Podium bieten

Morgenandacht von Journalist und Kirchentagspräsident bei Synode

„Wir hüten einen Schatz, den die Welt nötig braucht: Vertrauen“, sagte Journalist Hans Leyendecker. Wer aus der Bibel dieses Vertrauen ziehe, könne nicht anders als sich einzumischen in die politischen Fragen und Prozesse. Der Präsident des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentags ist heute, 7. Januar 2019, zu Gast auf der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland und hat dort die erste Morgenandacht gehalten.

Unsere Gesellschaft sei tief gespalten. „Misstrauen sickert wie ein Gift in die sozialen und weltanschaulichen Risse ein, stachelt Menschen, die schon lange hier leben, und Zugewanderte und Geflohene gegeneinander auf. Amberg und Bottrop sind Orte, die uns das wieder traurig vor Augen führen“, so Leyendecker. „Ich wünsche mir für meine Kirche und besonders auch für den kommenden Kirchentag in Dortmund, dass unser christliches Vertrauen ein Gegengift sein kann gegen das Gift des Misstrauens, das unsere Gesellschaft zu zersetzen droht.“   

Die AfD, die das gesellschaftliche Klima mit stumpfen Parolen vergifte, stehe weiter hoch im Kurs, sagte der Kirchentagspräsident. „Wir laden diesmal in Dortmund keinen Repräsentanten der AfD auf die Bühne, weil inzwischen eine Verbrüderung mit Rechtsextremisten stattgefunden hat und wir ein Zeichen gegen den Rechtsextremismus im Lande setzen wollen. Der Kirchentag darf Rassisten und Hetzern kein Podium bieten.“  

Das Manuskript zur Morgenandacht von Hans Leyendecker ist zu Ihrer persönlichen Verwendung beigefügt.

 

 

 

BERICHTE VON DER LANDESSYNODE 2019_03 vom 08. Januar 2019: Finanzbericht vorgelegt

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Kirche stellt sich vorausschauend auf sinkende Einnahmen ein

Finanzchef Bernd Baucks hat der Landessynode Finanzbericht vorgelegt

In ihrer Haushaltsplanung geht die Evangelische Kirche im Rheinland auch für dieses Jahr von einem vermehrten Kirchensteueraufkommen aus. „Im Jahr 2018 ist das Aufkommen entgegen der Annahme noch einmal gewachsen“, sagte Oberkirchenrat Bernd Baucks bei der Vorstellung des Finanzberichts. Der Haushaltsansatz für 2019 ist mit 744 Millionen Euro festgesetzt. Dieser Verteilbetrag ist risiko-gepuffert und liegt deshalb unter dem erwarteten Kirchensteueraufkommen von 755 Millionen Euro. Für das Jahr 2018 werden 737 Millionen Euro an Kirchensteuereinnahmen zur Verfügung stehen, prognostiziert waren 715 Millionen Euro. Der Verteilbetrag ergibt sich nach Abzug der Entgelte für die Finanzämter sowie der Überweisungen aus dem Clearingverfahren an andere Landeskirchen. Das Finanzamtsaufkommen 2019 bezifferte Baucks auf 928 Millionen Euro.

Der Leiter der Abteilung Finanzen und Diakonie im Landeskirchenamt ging in seinem Finanzbericht auch auf das Verhältnis von steigenden Finanzen bei sinkenden Mitgliedszahlen ein. Während die Kirchensteuern im vergangenen Jahr um vier Prozent gestiegen sind, sank die Zahl der Mitglieder von 2,54 Millionen auf 2,5 Millionen. „Derzeit wirken sich damit die wirtschaftlichen Entwicklungen deutlicher auf das Kirchensteueraufkommen aus als die Mitgliedsentwicklung. Wir kennen dieses Phänomen aus den vergangenen Jahren“, sagte Baucks.

Der rheinische Finanzchef geht davon aus, dass sich die Kirchensteuereinnahmen auch mittelfristig weiterhin analog zu den wirtschaftlichen Verhältnissen verhalten. Dieser positive Trend werde allerdings nicht anhalten. In zehn bis fünfzehn Jahren werden nach Baucks Einschätzung die Einnahmen aufgrund der sinkenden Mitgliedszahlen zurückgehen – „und das auch deutlich“. „Sich darauf einzustellen ist mit den langen Bremswegen, die wir aufgrund des hohen Anteils an Personalverpflichtungen in unseren Haushalten haben, eine langfristige Aufgabe, die bereits jetzt vorausschauend gesehen werden muss“, sagte Baucks in seinem Finanzbericht.

Haushaltskonsolidierung wirkt sich positiv aus

Für Baucks wirkt sich die 2014 beschlossene Haushaltskonsolidierung der landeskirchlichen Ebene in diesem Jahr positiv aus: „Der landeskirchliche Haushalt ist nachhaltig – ohne strukturelle Defizite – aufgestellt worden“, schreibt er im Haushaltsbuch 2019, der zweiten Ausgabe dieses im vergangenen Jahr erstmals aufgelegten Formats. Das überplanmäßige höhere Kirchensteueraufkommen biete die Möglichkeit, notwendige Reserven aufzubauen, um auch für die Zukunft Schuldenfreiheit zu sichern. „Auch in Zukunft wird Haushaltskonsolidierung notwendig bleiben“, sagt er. Auch eine kleiner werdende Kirche müsse in der Lage sein, die Versorgung von Pfarrerinnen und Pfarrern sowie Kirchenbeamtinnen und Kirchenbeamten unabhängig vom laufenden Haushalt zu sichern. Die im Verlauf der vergangenen vier Jahre aus Mehreinnahmen an Kirchensteuern auf 70 Prozent angewachsene Kapitaldeckung der Versorgungskasse entspreche diesem „ungeschriebenen Generationenvertrag“. Für die Beihilfe sei dieses Kapitaldeckungsprinzip allerdings noch nicht erreicht.

 

BERICHTE VON DER LANDESSYNODE 2019_04 vom 10. Januar 2019: Unterstützung für neue Gemeindeformen / Stärkung der Kinder- und Jugendarbeit / Engagement gegen Jugend- und Familienarmut / Zur Situation minderjähriger Geflüchteter und zu Rettungsaktionen auf dem Mittelmeer

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Landessynode: Sechs Millionen Euro und fünf Pfarrstellen für Kirche in neuen Formen

Rheinische Kirche will mit Initiativen näher zu den Menschen

Bad Neuenahr. Kirche in neuen Formen näher zu den Menschen zu bringen, dafür  gibt die Evangelische Kirche im Rheinland in den kommenden zehn Jahren sechs Millionen Euro aus und schafft zusätzlich für diesen Zweck fünf neue Pfarrstellen. Das hat die Landessynode, das oberste Leitungsgremium der Kirche, heute in Bad Neuenahr beschlossen. Dieses Investment in die Zukunft der Kirche soll das vielfältige Angebot der Ortsgemeinden ergänzen.

Die jetzt beschlossenen Fördermittel für Erprobungen sind Anschubfinanzierungen. Kirchengemeinden, Kirchenkreise, Gemeinschaften und Initiativen erhalten von der Landeskirche Projektmittel bis zur Hälfte der entstehenden Personal- und Sachkosten. Die Finanzierung der Pfarrstellen erfolgt durch die Pfarrbesoldung, die Stellen sind auf zehn Jahre befristet.

Insbesondere die Vertreter der ersten rheinischen Jugendsynode, die der Landessynode vorausgegangen war, zeigten sich von den Plänen begeistert. Erste Erprobungen mit unterschiedlichen Profilen gibt es schon: zum Beispiel das „Raumschiff Ruhr“ in Essen, die Jugendkirche Cochem und die „Beymeister“ in Köln.

Die christlichen Gemeinschaften und neuen Gemeindeformen verstehen sich – bei allen Unterschieden – als ergänzende Formen des Kircheseins, also zusätzlich zum Gemeindeleben oder zu speziellen Diensten wie der Krankenhausseelsorge. Anregungen für neue Gemeindeformen stammen unter anderem aus der Fresh-Expressions-Bewegung der anglikanischen Kirche in Großbritannien.

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Kinder- und Jugendarbeit ist eine Aufgabe der ganzen Kirche

Landessynode hat Forderungen der Jugendsynode übernommen

Die Evangelische Kirche im Rheinland verpflichtet sich zu einer vielfältigen Kinder- und Jugendarbeit. Diese richtet sich an alle Kinder und Jugendlichen und umfasst die Verkündigung des Wortes Gottes, das gesellschaftliche Engagement sowie die sozial-diakonische Arbeit. In ihrem Beschluss zur Kinder- und Jugendarbeit, der aus der zuvor stattgefundenen ersten Jugendsynode der rheinischen Kirche erwachsen ist, sagt die Landessynode 2019 „verlässliche Ressourcen“ für die wirksame Kinder- und Jugendarbeit zu. Die Schaffung, Erhaltung und Stärkung von Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit solle als „Gemeinschaftsaufgabe“ verstanden werden, die alle Ebenen der Kirchen miteinander verbindet, also Kirchengemeinden, Kirchenkreise und Landeskirche. Geprüft werden sollen Möglichkeiten wie Anschubfinanzierung oder Fundraising, um Kinder- und Jugendarbeit zu unterstützen.

Finanzielle Konsequenzen wird auch der Punkt umfassen, die Kinder- und Jugendarbeit „stärker als bisher inklusiv aufzustellen“. Im Blick auf die Finanzierungsfragen hat die Kirchenleitung bereits einen flankierenden Beschluss gefasst: Präses Manfred Rekowski berichtete der Landessynode, dass sich die Kirchenleitung unmittelbar damit beschäftigen werde.

Der Beschluss der Landessynode 2019 sieht weiter die Festschreibung eines verbindlichen Qualifikationsniveaus für diejenigen vor, die in der Kinder- und Jugendarbeit beruflich tätig sind. Berufsbegleitende Qualifizierungen sowie Fort- und Weiterbildungen sollen angeboten werden.

Definiert wird evangelische Kinder- und Jugendarbeit als Begleitung von 6- bis 27-Jährigen in Glaubens- und Lebensfragen. Die Jugendarbeit orientiere sich an den Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen sowie am Wort Gottes. Evangelische Jugendarbeit, die von Jugendlichen auch selbst mitzugestalten ist, sei „einladende Kirche für alle“, so das Leitpapier.

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Rheinische Kirche engagiert sich gegen Jugend- und Familienarmut

Forderungen der Jugendsynode werden weiterentwickelt

Bad Neuenahr. Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland unterstützt die Forderungen der vorangegangenen Jugendsynode, die in ihrem Leitpapier zur „Jugend- und Familienarmut“ ein verstärktes Engagement der Kirche gefordert hat. Zur Landessynode im Januar 2020 will die Landeskirche dazu unter Beteiligung von jungen Menschen eine fundierte Stellungnahme erarbeiten und öffentlich Position beziehen. Das beschloss das oberste Leitungsgremium der rheinischen Kirche heute in seiner Tagung in Bad Neuenahr.

In Gemeinden, Kirchenkreisen und Einrichtungen sollen in der Auseinandersetzung mit dem Thema jeweils regionale Schwerpunkte gesetzt werden. Außerdem will man Good- und Best-Practice Beispiele für die Arbeit von Gemeinden und Einrichtungen zur Förderung von Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien sammeln.

Themen des Beschusses der Jugendsynode waren unter anderem die Umsetzung der von den Vereinten Nationen beschlossenen Kinderrechte und eine Existenzsicherung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die gesellschaftliche Teilhabe gewährleistet.

Im Leitpapier forderte die Jugendsynode die Kirche auf, sich für niederschwellige lokale Servicestellen einzusetzen, die Kinder, Jugendliche, Eltern und Familien beraten und unterstützen. Die Jugendsynode beklagte, dass die Kinderarmutszahlen in Deutschland seit Jahren auf hohem Niveau sind und der Schulerfolg von Kindern weiter wesentlich von Bildungsgrad und sozialem Status der Eltern abhängt. Junge Menschen von 18 bis 24 Jahren sind nach Ansicht der Jugendsynode am stärksten durch Armut gefährdet. Positiv hat die Jugendsynode die Offene Kinder- und Jugendarbeit in evangelischer Trägerschaft bewertet.

Der Beschluss der Landessynode nimmt auch die eigene Stellungnahme zur Kinderarmut von 2012 auf und entwickelt sie weiter. Darin sprach sich die Landeskirche für eine Kindergrundsicherung aus und forderte eine verbesserte Infrastruktur bei Kindertagesstätten, Schulen, Familienbildung und -beratung.

Stichwort: Jugendsynode

Die erste Jugendsynode der Evangelischen Kirche im Rheinland hat vom 4. bis 6. Januar 2019 getagt. Jeweils 50 Delegierte der rheinischen Landessynode und der Evangelischen Jugend im Rheinland bildeten das Gremium. Darüber hinaus arbeiteten insgesamt zehn Vertreterinnen und Vertreter aus der ehrenamtlichen Konfirmandenarbeit, von Studierenden- und Schulgemeinden sowie ökumenische Gäste mit.

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Appell an Bundesregierung: Weiterhin Gerettete aus dem Mittelmeer aufnehmen

Landessynode richtet Fokus auf unbegleitete minderjährige Geflüchtete

Bad Neuenahr. Die Landessynode, das oberste Leitungsgremium der Evangelischen Kirche im Rheinland, macht auf das Schicksal tausender unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter innerhalb und außerhalb der europäischen Grenzen aufmerksam: „Sie bedürfen des besonderen Schutzes vor Missbrauch, Menschenhandel und Ausbeutung. Ihre UN-Kinderrechte sind von Europa zu wahren.“

Die Kirchengemeinden, so die Empfehlung der Synode, sollten vor der Europawahl im Mai 2019 mit Politikerinnen und Politikern über die Probleme an den EU-Außengrenzen und insbesondere die Situation der unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten sprechen. Zudem sollten sie eine freie Kollekte für ein Projekt mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten bestimmen. Beispielhaft nennt die Synode das Projekt Vivre l’Espoir des Kirchenkreises Jülich im marokkanischen Oujda, das Schutzräume für dort Gestrandete errichtet und mit ihnen Lebensperspektiven entwickelt.

Kirche schließt sich dem Bündnis Seebrücke an

Die Landessynode verurteilt die Kriminalisierung der Seenotrettung aufs Schärfste. Die Evangelische Kirche im Rheinland schließt sich dem Bündnis Seebrücke an. Die von Bündnissen und Akteuren der Zivilgesellschaft getragene Bewegung setzt sich für sichere Fluchtwege ein, für eine Entkriminalisierung der Seenotrettung und die menschenwürdige Aufnahme derjenigen, die auf der Flucht sind.

Mit Erleichterung nimmt die Landessynode zur Kenntnis, dass die Geflüchteten, die wochenlang auf den Schiffen „Sea-Watch 3“ und „Professor Albrecht Penck“ festsaßen, inzwischen in Malta an Land gehen konnten. Angesichts der aktuellen humanitären Katastrophe appelliert sie heute, 10. Januar 2019, an die Bundesregierung, auch künftig Gerettete aus dem Mittelmeer aufzunehmen. Sie begrüßt die Initiative von Städten und Gemeinden, sich zu „sicheren Häfen“ zu erklären.

Um möglichst viele Schiffbrüchige aus dem Mittelmeer zu retten, will sich die rheinische Kirche an einem neuen Schiff der Organisation SOS Méditerranée beteiligen. Die Kirchenleitung wird die Finanzierung prüfen. Der Vorschlag, sich noch stärker als bisher in der Seenotrettung zu engagieren, war von der ersten Jugendsynode in die Landessynode getragen worden.

 

 

BERICHTE VON DER LANDESSYNODE 2019_05 vom 11. Januar 2019: Gedenkzeremonie für Kirchen in Südafrika

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Gedenkzeremonie für Kirchen in Südafrika mit rheinischen Wurzeln

Landessynode erinnert an wechselvolle gemeinsame Geschichte

Mit „Ceremony of Remembrance“, einer Zeremonie des Gedenkens, hat die Evangelische Kirche im Rheinland ihre neuen Partnerkirchen in Südafrika  auf der Landessynode 2019 willkommen geheißen. Die Rhenish Church in South Africa (RCSA) und die Uniting Reformed Church in Southern Africa (URCSA) gehören seit September zur Vereinten Evangelischen Mission (VEM) und sind damit offizielle Partnerkirchen.

Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, Leiterin der Abteilung der Theologie und Ökumene, erklärte, dass es „angesichts der bewegenden Geschichte der südafrikanischen Kirchen eines besonderen Willkommensgrußes bedarf, der Zeit gibt für die nicht immer leichten Erinnerungen und die Gelegenheit, diese Erinnerungen vor Gott zu bringen.“

„Eine schmerzvolle Erfahrung“

Die Gedenkzeremonie beinhaltete neben einem gemeinsamen Ruf zum Gebet, einen Interviewteil, in dem die Journalistin Bettina von Clausewitz mit Vertretern der südafrikanischen Kirchen einen Blick auf die Geschichte warf. Mit dabei waren auch der VEM-Generalsekretär Volker Dally, ein Vertreter der rheinischen Kirche Hongkongs und der Doktorand Malte Stollewerk, der die Geschichte der rheinischen Kirche in Südafrika erforscht.

Denn die südafrikanischen Partnerkirchen, oder zumindest Teile ihrer Gemeinden, haben rheinische Wurzeln. Diese gehen auf die „Rheinische Missionsgesellschaft“ zurück, die im Jahr 1829 ihre Arbeit in Südafrika aufnahm und in der Region Kapstadt mehrere Missionsstationen geründete. In den nächsten 100 Jahren entstanden um die 20 Gemeinden. In den 1930-er Jahren kam dann der schmerzvolle Umbruch: Die „Rheinische Missionsgesellschaft“ zog sich aus Südafrika zurück und übergab ihre Gemeinden an die Niederländisch-Reformierte Kirche, eine Kirche, die die Apartheidsregierung stützte.

„Es war eine schmerzvolle Erfahrung“, erklärt Tommy Solomons von der RCSA. „Unsere geistlichen Mütter und Väter haben uns verlassen und als Waisen zurückgelassen.“ Die schwarzen Gemeinden hatten kein Mitspracherecht und der als großer Vertrauensbruch empfundene Schritt hatte geistliche und wirtschaftliche Folgen:  „Wir haben unsere Identität und unseren Besitz verloren. Die Kirche hat das gleiche mit uns gemacht wie die Apartheidsregierung.“

Volker Dally, Generalsekretär der VEM, die ihre Ursprünge in der „Rheinischen Missionsgesellschaft“ hat, erklärte, dass die Entscheidung, die Gemeinden an die Niederländisch-Reformierte Kirche zu übergeben, von der Vollversammlung in Deutschland getroffen wurde – und gegen den Willen der Gemeinden und der Missionare in Südafrika. „Die Missionsgesellschaft war in einer komplizierten finanziellen Situation. Sie musste ihren Haushalt konsolidieren und dafür Missionsgebiete abgegeben“, so Dally.

Dass diese Geschichte zur Sprache kommt und in der Gedenkzeremonie durch ein Versöhnungsritual mit Wasser und Öl vor Gott gebracht wurde, bedeutet den afrikanischen Partnern viel: „Es werden die Missetaten der Vergangenheit zugegeben und  wir drücken die Bereitschaft aus, eine neue Beziehung zu beginnen“, sagt Tommy Solomons.

Llewellyn MacMasters, Moderator der URCSA, ergänzt: „Ich finde es wichtig,  kritisch zurückzublicken. Und gemeinsam nach vorne zu sehen. Wir sind eine Kirche Christi. Die Welt stellt uns vor Herausforderungen, denen wir uns als Kirchen gemeinsam stellen müssen.“

 

 

Nach zukunftsweisenden Beschlüssen: Rheinische Landessynode beendet

Millionen-Investition für neue Gemeindeformen/Erste Jugendsynode

Nach zukunftsweisenden Beschlüssen ist am Vormittag die diesjährige Tagung der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland in Bad Neuenahr zu Ende gegangen. So entschied das oberste Leitungsgremium, dass die rheinische Kirche in den kommenden zehn Jahren einen Millionenbetrag investieren wird, um Kirche in neuen Formen näher zu den Menschen zu bringen. Dafür gibt die Evangelische Kirche im Rheinland sechs Millionen Euro aus und schafft zusätzlich für diesen Zweck fünf neue Pfarrstellen. Zusammen sind das etwa zwölf Millionen Euro. Dieses Investment in die Zukunft der Kirche soll das vielfältige Angebot der Ortsgemeinden ergänzen. Die jetzt beschlossenen Fördermittel für Erprobungen sind Anschubfinanzierungen: Kirchengemeinden, Kirchenkreise, Gemeinschaften und Initiativen erhalten von der Landeskirche Projektmittel bis zur Hälfte der entstehenden Personal- und Sachkosten. Die Finanzierung der Pfarrstellen erfolgt durch die Pfarrbesoldung, die Stellen sind auf zehn Jahre befristet. Insbesondere die Vertreterinnen und Vertreter der ersten rheinischen Jugendsynode, die der Landessynode vorausgegangen war, zeigten sich von den Plänen begeistert. Erste Erprobungen mit unterschiedlichen Profilen gibt es schon: zum Beispiel das „Raumschiff Ruhr“ in Essen, die Jugendkirche Cochem und die „Beymeister“ in Köln.

 

Verlässliche Ressourcen für eine vielfältige Kinder- und Jugendarbeit

Die Evangelische Kirche im Rheinland verpflichtet sich zu einer vielfältigen Kinder- und Jugendarbeit. Diese richtet sich an alle Kinder und Jugendlichen und umfasst die Verkündigung des Wortes Gottes, das gesellschaftliche Engagement sowie die sozial-diakonische Arbeit. In ihrem Beschluss zur Kinder- und Jugendarbeit, der aus der zuvor stattgefundenen ersten Jugendsynode der rheinischen Kirche erwachsen ist, sagt die Landessynode 2019 „verlässliche Ressourcen“ für eine wirksame Kinder- und Jugendarbeit zu. Die Schaffung, Erhaltung und Stärkung von Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit solle als „Gemeinschaftsaufgabe“ verstanden werden, die alle Ebenen der Kirche miteinander verbindet, also Kirchengemeinden, Kirchenkreise und Landeskirche. Geprüft werden sollen Möglichkeiten wie Anschubfinanzierung oder Fundraising, um Kinder- und Jugendarbeit zu unterstützen. Finanzielle Konsequenzen wird auch der Punkt umfassen, die Kinder- und Jugendarbeit „stärker als bisher inklusiv aufzustellen“. Über die Finanzierung wird die Kirchenleitung nun mit Priorität beraten.

 

Kirche schließt sich dem Bündnis Seebrücke an

In einem weiteren Beschluss hat die Synode die Kriminalisierung der Seenotrettung verurteilt. Die rheinische Kirche schließt sich dem Bündnis Seebrücke an. Die von Bündnissen und Akteuren der Zivilgesellschaft getragene Bewegung setzt sich für sichere Fluchtwege ein, für eine Entkriminalisierung der Seenotrettung und die menschenwürdige Aufnahme derjenigen, die auf der Flucht sind.

Um möglichst viele Schiffbrüchige aus dem Mittelmeer zu retten, will sich die rheinische Kirche an einem neuen Schiff der Organisation SOS Méditerranée beteiligen. Die Kirchenleitung wird entsprechende Möglichkeiten prüfen. Der Vorschlag, sich noch stärker als bisher in der Seenotrettung zu engagieren, war von der ersten Jugendsynode in die Landessynode getragen worden.

 

Überblick über die Beschlüsse

Einen kompakten Überblick über die Beschlüsse der 71. Tagung der Landessynode bietet die Rubrik „beraten und beschlossen“ auf der Internetseite www.ekir.de/landessynode, die einen ausführlichen Überblick liefert.

 

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Stichwort: Landessynode

Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland tagt vom 6. bis 11. Januar 2019 in Bad Neuenahr. Sie ist das oberste Leitungsgremium der mit mehr als 2,5 Millionen Mitgliedern zweitgrößten Landeskirche in Deutschland. Die Synode hat 206 stimmberechtigte Mitglieder (sowohl Theologinnen und Theologen als auch Nichttheologinnen und -theologen) aus den 37 Kirchenkreisen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland.