Thomas Kutschaty, MdL  Justizminister des Landes NRW hielt die Predigt am Sonntag 2.April 2017 in der Friedenskirche im Rahmen der Gottesdienstreihe zum Reformationsjubiläum 2017

Liebe Gemeinde ! 

Als katholischer Christ ist es für mich etwas ganz besonderes, im Rahmen der Feierlichkeiten zum 500. Reformationsjubiläum zu Ihnen predigen zu dürfen.  Doch ist uns anlässlich des Reformationsjubiläums tatsächlich zum Feiern zu Mute? Schließlich ist aus den Vorgängen vor 500 Jahren eine Kirchenspaltung hervorgegangen, begleitet von Religions-kriegen mit unzähligen Toten und unsagbarem Leid um des Glaubens Willen. 

Umso wichtiger, dass zumindest dies in der heutigen Zeit überwunden ist. Und das wir heute die Offenbarung der Heiligen Schrift in konfessionsverbindender Weise größer als uns selbst gemeinsam mehr hoch schätzen, als das was uns konfessionell trennt. Denn uns katholische und evangelische Christen verbindet heute weit mehr, als uns trennt. Und dies lohnt es sich schon gemeinsam zu feiern, wenn wir der Kirchenspaltung vor 500 Jahren gedenken. 

Vor diesem Hintergrund erinnere ich an das zweite Jubiläum, das wir 2017 begehen: Vor 200 Jahren, genauer am 27. September 1817, erließ der preußische König Friedrich Wilhelm der III. einen Aufruf zur Vereinigung der damals überaus zerstrittenen reformierten und lutherischen Gemeinden zu einer unierten Kirche, der später sogenannten Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union, aus der heute die Union Evangelischer Kirchen hervorgegangen ist. 

Wir reden von Flüchtlingen und meinen in erster Linie die Menschen, die zu uns kommen weil sie Schutz suchen vor Krieg und Gewalt. Wir sehen und hören in den Medien welche Gefahren diese Menschen auf sich nehmen um zu uns zu gelangen. Viele sterben bei diesem Versuch. Das Mittelmeer wird zum feuchten Massengrab für Frauen, Kinder und Männer. Wir lassen das zu!

Und doch bilden diese Flüchtenden nur einen Bruchteil der Menschen, die Frieden und Geborgenheit suchen.  Über 60 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht. Fast 40 Millonen sind Vertriebene innerhalb ihres eigenen Landes. Nahezu 20 Millionen haben ihre Heimat verlassen müssen.

Eine Vielzahl von Konferenzen und Treffen derer, die politisch Verantwortung tragen, ändert daran nichts. Die Menschen werden zerrieben . Macht und Geld Einfluß und Egoismus verhindern eine weise und aufrichtige Suche nach dauerhaftem Frieden.

Die traurige Liste der Länder, aus denen die meisten Menschen fliehen, führt zur Zeit Syrien an. Einen Mitbürger aus diesem Land ist  heute hier bei uns. Er will mit uns beten für einen Frieden in Syrien und für Frieden in der Welt. Ein Gesicht aus der Menge derer, deren Antlitz wir nicht wahrnehmen, ein Name aus der Menge der Namenlosen.

 Liebe Leserinnen und Leser,

Rolf Wessels
 
Das Lied 395 im EG „Vertraut den neuen Wegen“ klingt  in meinen Ohren wie ein Appell aber gleichzeitig entdecke ich ein Werben darin, das Werben um Vertrauen, jede Strophe beginnt damit.

Geschrieben wurde es 1989 von Klaus-Peter Hertzsch  (Jahrgang 1930) aus Thüringen, ein Professor für Praktische Theologie.

Wir erinnern uns: Es war die Zeit der politischen Wende in Osteuropa. Michail Gorbatschow wurde im  März 1985 zum Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) gewählt. Er  leitete  das Ende des Kalten Krieges ein. Durch seine Politik der Glasnost ( Offenheit) und der Perestroika (Umbau, Umgestaltung)  wurden  „Friedliche Revolution(en)“ in Europa möglich.

In Ostdeutschland, der ehemaligen DDR, formierten sich Bürgerrechtsbewegungen. Wir erinnern uns an die Montagsdemonstrationen in Leipzig und in anderen Städten. Die Menschen wollten neue Wege gehen. Die alten Strukturen sollten abgelöst werden, etwas Neues sollte entstehen.

In vielen Versammlungen, damals, wurde, „Vertraut den neuen Wegen“, gesungen. Menschen machten sich gegenseitig Mut damit.

Und doch ist dieses Lied nicht als Hymnus  für die Bürgerrechtsbewegungen geschrieben worden.

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