Liebe Leserinnen und Leser,

Rolf Wessels
 
Das Lied 395 im EG „Vertraut den neuen Wegen“ klingt  in meinen Ohren wie ein Appell aber gleichzeitig entdecke ich ein Werben darin, das Werben um Vertrauen, jede Strophe beginnt damit.

Geschrieben wurde es 1989 von Klaus-Peter Hertzsch  (Jahrgang 1930) aus Thüringen, ein Professor für Praktische Theologie.

Wir erinnern uns: Es war die Zeit der politischen Wende in Osteuropa. Michail Gorbatschow wurde im  März 1985 zum Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) gewählt. Er  leitete  das Ende des Kalten Krieges ein. Durch seine Politik der Glasnost ( Offenheit) und der Perestroika (Umbau, Umgestaltung)  wurden  „Friedliche Revolution(en)“ in Europa möglich.

In Ostdeutschland, der ehemaligen DDR, formierten sich Bürgerrechtsbewegungen. Wir erinnern uns an die Montagsdemonstrationen in Leipzig und in anderen Städten. Die Menschen wollten neue Wege gehen. Die alten Strukturen sollten abgelöst werden, etwas Neues sollte entstehen.

In vielen Versammlungen, damals, wurde, „Vertraut den neuen Wegen“, gesungen. Menschen machten sich gegenseitig Mut damit.

Und doch ist dieses Lied nicht als Hymnus  für die Bürgerrechtsbewegungen geschrieben worden.

Klaus Peter Hertzsch erzählt:

„Ich habe dieses Lied im Sommer 1989 geschrieben. Eine meiner Patentöchter wollte heiraten, und zu solchen Anlässen habe ich gelegentlich auch einen Liedtext beigesteuert, der dann auf eine bekannte Melodie zu singen sein sollte.“

Ein schöner Text für diesen Tag, denn ist nicht der gemeinsame Aufbruch ins Neue und  Unbekannte  das  bestimmende  Grundgefühl. bei einer Hochzeit ? Und  zugleich  das Vertrauen, dass Gott auch diese beiden Menschen segnen werde und für andere zum Segen machen könnte.

Lese ich den Text dieses Liedes heute, macht er auch mir Mut. Gerade vor dem Hintergrund großer Veränderungen in unserer Gemeinde tut es mir gut zu lesen:“ weil Leben heißt sich regen, weil Leben wandern heißt“. Ich verstehe das als Aufforderung mitzugehen, sich den Herausforderungen zu stellen und mit zu gestalten. Ich darf mit daran arbeiten, dass etwas Neues in dieser Gemeinde entsteht .  Es gibt keinen Tagesbefehl, niemand verpflichtet mich zur Ausführung . Das was ich tue  vertraue ich der  Güte Gottes an und hoffe, dass er uns dahin leitet, „ wo er uns will und braucht“.

Sicher wird es  auch in diesem Prozess Ernüchterungen  und Enttäuschungen geben aber diese Risiken muss man eingehen will man nicht erstarren in den alten und ausgetretenen Pfaden.

Gott lässt sich auf uns ein, er überrascht uns, „er selbst kommt  uns entgegen“ , wie einer , der schon lange auf uns gewartet hat. Es geht nicht ums abreißen! Gott  hilft uns den Himmel aufzureißen, neue Entdeckungen und Erfahrungen zu machen, denn „ die Zukunft ist sein Land“.

Wo Menschen sich auf den Weg machen,  „da stehen die Tore offen“, da stürzen Mauern ein.

Danke, Klaus-Peter Hertzsch, für dieses ermutigende, herrliche Lied.

 

Herzliche Grüße und Gottes Segen

Ihr Rolf Wessels