Diese Predigt hielt Dr Ulrich Seng, Pastor der katholischen Pfarrgemeinde St Michael Dellwig am 29.4.2017 im Rahmen eines ökumenische Gottesdienstes

DER PARADIESGARTEN   - Predigt zum Text im 1. Buch Mose  Kapitel  2,4b-15

„Schau an der schönen Gärten Zier“

Wir leben in einer Zeit, in der die meisten Menschen schon schöne Reisen unternommen haben. Viele erinnern sich mit großer Freude an die Erlebnisse während der unterschiedlichsten Urlaubsreisen. Und viele haben, wenn sie davon erzählen, sogleich die Landschaftsformen des Mittelmeerraums vor Augen. Wer einmal Granada in Südspanien oder Mallorca besucht hat, der kennt den Eindruck, den das Land im Sommer hinterlässt: Alles wird gelb-braun und macht einen vertrockneten Eindruck. Man hört geradezu das trockene Rascheln der dürren Blätter. Und dann tritt man durch das Tor in einer aus groben Steinen zusammengefügten Mauer – und auf einmal steht man in einem grünen Paradies!

Südliche Sonne und ausreichende Versorgung mit Wasser zaubern eine unglaubliche Fruchtbarkeit hervor. Wenn dann noch Wasserbecken die Wege begleiten und Springbrunnen plätschern, ist die Herrlichkeit vollkommen. Eine Blütenpracht, von der man in nördlichen Berieten nur träumen kann, betört die Blicke.

Ein solcher Garten wird zum Sehnsuchtsort der von schwerer Arbeit in großer Hitze gequälten Menschen.

Kein Wunder, dass, wenn die Menschen sich Gedanken machen darüber, woher die Welt kommt, sie sich den Beginn der Schöpfung nicht anders als einen solchen Garten vorstellen können: Wenn Gott schon etwas schafft, dann muss es etwas unendlich Gutes sein! Und das gehört doch untrennbar zu unserem Gottesbild, dass er der Gute ist und auch nur Gutes will. Sein Werk muss also doch für uns denselben Effekt haben wie die Gärten der Trockenländer für die Durstigen: Erfüllung der Sehnsucht; Befriedigung aller Wünsche, Erfahren von Erquickung, Ort des Heils!

Die Rede vom Garten wird sogleich zur Rede von Gott: So gut ist unser Gott.

Es ist ja kein Zufall, dass viele Menschen durch das Naturerlebnis zu religiösen Erfahrungen gebracht werden. Franz von Assisi hat deshalb seinen Sonnengesang getextet. Der Mond, die Sonne, die Natur wurden für ihn gleichsam zum Fernrohr zur Betrachtung von Gottes Herrlichkeit. Heute schaut mancher Gärtner staunend auf seinen eigenen Garten und sieht darin auch die Hand eines Größeren.

Dabei wissen wir ganze genau, wie kurzlebig diese Pracht ist, und wie gefährdet die Natur, in der wir leben. Die Grünen und die Naturschutzverbände mahnen uns ja unentwegt an die Schäden, die die Umwelt durch unser Handeln nimmt.

In der Malerei des Mittelalters hat sich das in einem typischen Motiv niedergeschlagen: dem hortus conclusus (dem eingezäunten Garten). Da sitzt ein Heiliger, vorzugsweise Maria, inmitten eines ummauerten Gärtchens. Innerhalb sind die prächtigsten Bäume und Blumen zu sehen, die in der Ikonographie alle eine besondere Bedeutung haben und etwas über Maria aussagen, und außerhalb herrscht Ödnis.

So ist unser Leben – sagen uns die Maler. In der Gemeinschaft mit Gott, im Glauben, im Garten können wir das Gute und das Heil finden: einen lieblichen Ort. In der Abwendung von Gott aber stehen wir draußen, außerhalb der Mauer und sind allen Problemen der öden Welt ausgeliefert.

In der Bibel ist der Garten Gottes Werk, in das er den Menschen setzt. Aber damit hat es nicht sein Bewenden: Er setzt ihn in den Garten, damit er ihn bebaue und hüte. Der Mensch ist nicht passiv seinem Schicksal ausgeliefert nach dem Motto, wenn ich in Ödnis lebe, ist das eben so und ich muss es ertragen, oder, wenn ich mich wohlfühle, ist das einfach mein Geschick.

Der Mensch ist Mitgestalter dieser Welt und seines eigenen Lebens. Wenn ich mich in meinem Garten an einem blühenden Baum erfreuen will, dann muss ich selbst zum Spaten greifen und eine japanische Kirche pflanzen und die auch noch gut pflegen, düngen und wässern.

Der Garten soll behütet werden. Wieviele Gefahren bedrohen nicht unser Leben? Wir wissen doch, was uns und unser Glück gefährdet. Da könnten wir so manches behüten. Behüten aber ist Arbeit, ist schwer: Da muss man sorgfältig Acht geben und auch bereit sein, Akzente zu setzen.

Eine Schauspielerin mit Leberzirrhose klagte in der Zeitung, sie wisse ja, dass sie leichtfertig gelebt habe, - aber dass sie jetzt so krank sei???

Die Bibel verweist uns an unsere Aufgabe: den Garten behüten. Mitwirken an Gottes Schöpfungswerk, damit es möglichst gut und heil ist. Das kann geschehen, indem man sich um die grüne Hauptstadt kümmert, sich also für die Natur einsetzt. Das soll aber überall geschehen, wo die Welt öder zu werden droht: Im Politischen, im Wirtschaftlichen, im Sozialen.

Überall kommt es darauf an, die Ärmel aufzukrempeln und anzufangen.

Amen