Wir reden von Flüchtlingen und meinen in erster Linie die Menschen, die zu uns kommen weil sie Schutz suchen vor Krieg und Gewalt. Wir sehen und hören in den Medien welche Gefahren diese Menschen auf sich nehmen um zu uns zu gelangen. Viele sterben bei diesem Versuch. Das Mittelmeer wird zum feuchten Massengrab für Frauen, Kinder und Männer. Wir lassen das zu!

Und doch bilden diese Flüchtenden nur einen Bruchteil der Menschen, die Frieden und Geborgenheit suchen.  Über 60 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht. Fast 40 Millonen sind Vertriebene innerhalb ihres eigenen Landes. Nahezu 20 Millionen haben ihre Heimat verlassen müssen.

Eine Vielzahl von Konferenzen und Treffen derer, die politisch Verantwortung tragen, ändert daran nichts. Die Menschen werden zerrieben . Macht und Geld Einfluß und Egoismus verhindern eine weise und aufrichtige Suche nach dauerhaftem Frieden.

Die traurige Liste der Länder, aus denen die meisten Menschen fliehen, führt zur Zeit Syrien an. Einen Mitbürger aus diesem Land ist  heute hier bei uns. Er will mit uns beten für einen Frieden in Syrien und für Frieden in der Welt. Ein Gesicht aus der Menge derer, deren Antlitz wir nicht wahrnehmen, ein Name aus der Menge der Namenlosen.

Erinnern wir uns der Worte des Apostels Paulus, zu lesen im Römerbrief. Mitten hinein in eine Atmosphäre der Angst und Intoleranz, der Ablehnung und Abwertung, schreibt er: „Nehmt einander an!  Nehmt  einander  an,  wie  Christus euch angenommen hat, zu Gottes Lob“ (Röm. 15,7) 

Eine Botschaft, die fast 2000 Jahre alt ist. Diese Ermahnung richtet Paulus an die Christengemeinde in Rom. Die  Hauptstadt  des  römischen  Reichs war  ein multireligiöser-und multikultureller Schmelztiegel mit einer unüberschaubaren Zahl religiöser Gemeinschaften. Und auch in der Christengemeinde gab es Hass und Streit zwischen den Juden- und den Heidenchristen. Man stritt über Notwendigkeit der Befolgung der Gebote der Thora. Hart prallten die Meinungen aufeinander. Der Konflikt schien unlösbar. Es herrschte ein Klima der Verleumdung , der Ab- und Ausgrenzung. Paulus weiß um die Sprengkraft und er kommt in seinem Brief gleich zur Sache: „Warum streitet ihr euch, Seid ihr denn nicht alle von Christus angenommen, ohne Ausnahme."

Er hat zu jedem von euch „JA“ gesagt gleich welcher Herkunft und Hautfarbe, gleich wie groß eure Schuld ist, gleich wie groß eure Verdienste sind.“

Gott überwindet Schuld und Ausweglosigkeit durch seine bedingungslose und liebevolle Annahme. Darauf gründet sich aus unserer christlichen Sicht die unantastbare Würde und Gleichwertigkeit aller Menschen.

Paulus schreibt uns diese Worte auch heute ins Stammbuch. Fast 2000 Jahre sind es her und doch ist deren Bedeutung gerade jetzt hochaktuell. „Nehmt einander an“, dass bedeutet nicht, Differenzen kleinzureden und Konflikte zu zu kleistern sondern den ehrlichen und aufrichtigen Dialog miteinander zu suchen.

Einander annehmen bedeutet, mit Achtung und Toleranz denen Hilfe und Unterstützung entgegen zu bringen, die sie benötigen, die darauf angewiesen sind, bedeutet die Tür zu öffnen für die, die um Leib und Leben fürchten müssen. JA, das bedeutet auch abzugeben, und dass Notwendige miteinander teilen.

Und: „Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen!" So lesen wir es im Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth.

Liebe ist die Kraft, die den Hass überwinden kann und nur mit ihrer Hilfe wird die Welt ein wenig mehr Frieden erfahren.

„Nehmt einander  an, wie Christus euch angenommen hat, zu Gottes Lob“

Paulus führt uns mit seiner Ermahnung auf den richtigen Weg. Ein Weg des Miteinanders, ein Weg der Menschlichkeit. 

(R.Wessels)