Diese Predigt hier Ltd Reg Dir Julius Wandelt am 9. März 2017 im Rahmen der Gottesdienstreihe zum Reformationsjubiläum in der Friedenskirche:

Liebe Mitchristinnen, liebe Mitchristen, 

wenn das kein Spannungsbogen ist: 

In meiner Heimatstadt Kleve am Niederrhein gab es zu meiner „Volksschulzeit“, damals nannte man das ja noch so, zwei Schulen, sie lagen sogar vis a vis an derselben Straße: die Petrus Canisius Schule und die Martin Luther Schule. Zwei konfessionsgebundene Schulen. Man hatte keine Kontakte miteinander, man spielte auch nicht zusammen. Das war aber nicht so schlimm, man kannte diese Trennung ja auch schon aus dem Kindergarten. Unser Umfeld hatte also schon eine Trennung organisiert, ohne dass man das groß begründen musste. Die evangelischen Kinder taten uns katholischen Kindern nur manch-mal ein bisschen leid. Sie hatten nur eine "kleine evangelische Kirche", die sich auch so nannte, sie hatten einen eigenen Friedhof, auch kleiner und wir waren stolz auf unsere Namenspatronen, die uns zusätzlich zum Geburtstag noch einen Namenstag bescherten, an dem man auch Geschenke bekam. Und - durch Zutun unserer Namenspatronen hatten unsere Anträge auf Dampfmaschine und Puppenstube zu Weihnachten beim Christkind einfach bessere Chancen. 

Als ich zwei Jahrzehnte später meinem Großvater, früher Küster und Organist in einer katholischen Kirche am Niederrhein, sagte, ich würde jetzt die Dame an meiner Seite – evangelisch - heiraten, gab er mir zu verstehen, dass er zur Hochzeit nur kommen könne, wenn diese mit Zelebranten beider Konfessionen in einer katholischen Kirche stattfinden würde, sonst wäre sie sowieso nicht gültig. So wurde es dann gemacht, aber gehalten hat die Ehe trotzdem nicht. 

Wir reden von Flüchtlingen und meinen in erster Linie die Menschen, die zu uns kommen weil sie Schutz suchen vor Krieg und Gewalt. Wir sehen und hören in den Medien welche Gefahren diese Menschen auf sich nehmen um zu uns zu gelangen. Viele sterben bei diesem Versuch. Das Mittelmeer wird zum feuchten Massengrab für Frauen, Kinder und Männer. Wir lassen das zu!

Und doch bilden diese Flüchtenden nur einen Bruchteil der Menschen, die Frieden und Geborgenheit suchen.  Über 60 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht. Fast 40 Millonen sind Vertriebene innerhalb ihres eigenen Landes. Nahezu 20 Millionen haben ihre Heimat verlassen müssen.

Eine Vielzahl von Konferenzen und Treffen derer, die politisch Verantwortung tragen, ändert daran nichts. Die Menschen werden zerrieben . Macht und Geld Einfluß und Egoismus verhindern eine weise und aufrichtige Suche nach dauerhaftem Frieden.

Die traurige Liste der Länder, aus denen die meisten Menschen fliehen, führt zur Zeit Syrien an. Einen Mitbürger aus diesem Land ist  heute hier bei uns. Er will mit uns beten für einen Frieden in Syrien und für Frieden in der Welt. Ein Gesicht aus der Menge derer, deren Antlitz wir nicht wahrnehmen, ein Name aus der Menge der Namenlosen.

 Liebe Leserinnen und Leser,

Rolf Wessels
 
Das Lied 395 im EG „Vertraut den neuen Wegen“ klingt  in meinen Ohren wie ein Appell aber gleichzeitig entdecke ich ein Werben darin, das Werben um Vertrauen, jede Strophe beginnt damit.

Geschrieben wurde es 1989 von Klaus-Peter Hertzsch  (Jahrgang 1930) aus Thüringen, ein Professor für Praktische Theologie.

Wir erinnern uns: Es war die Zeit der politischen Wende in Osteuropa. Michail Gorbatschow wurde im  März 1985 zum Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) gewählt. Er  leitete  das Ende des Kalten Krieges ein. Durch seine Politik der Glasnost ( Offenheit) und der Perestroika (Umbau, Umgestaltung)  wurden  „Friedliche Revolution(en)“ in Europa möglich.

In Ostdeutschland, der ehemaligen DDR, formierten sich Bürgerrechtsbewegungen. Wir erinnern uns an die Montagsdemonstrationen in Leipzig und in anderen Städten. Die Menschen wollten neue Wege gehen. Die alten Strukturen sollten abgelöst werden, etwas Neues sollte entstehen.

In vielen Versammlungen, damals, wurde, „Vertraut den neuen Wegen“, gesungen. Menschen machten sich gegenseitig Mut damit.

Und doch ist dieses Lied nicht als Hymnus  für die Bürgerrechtsbewegungen geschrieben worden.

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