TIPP: Konzert am 18.09.2016 um 17:00 Uhr

"Manchmal lernen wir etwas erst dann schätzen, wenn wir für eine Weile darauf verzichten müssen."

Dieser Gedanke mag uns trösten, wenn wir jetzt für zwei Monate auf den Klang unserer schönen Kirchenorgel verzichten müssen, denn im Zuge der Renovierung der Gnadenkirche wird auch die Orgel zunächst einmal sorgfältig verpackt und später dann gereinigt. Eine solche Grundreinigung umfasst viele einzelne Arbeitsschritte: alle Pfeifen werden herausgenommen und vom Staub und Schmutz der Jahre gesäubert, die Holzpfeifen werden  gebürstet und ausgesaugt, die Metallpfeifen einzeln in einem speziellen Reinigungsbad gewaschen. Dann werden sie wieder an ihren Platz gestellt und intoniert, d.h. es wird eine Feinabstimmung der Klanggebung vorgenommen, was die schwierigste und künstlerischste Arbeit des Orgelbauers darstellt. Darüber hinaus werden andere Verbindungsteile erneuert und gepflegt, so z.B. Leder gefettet oder Filze erneuert.

Orgelpfeifen

Im Anschluss daran wird unsere Jann-Orgel von 1989 nicht nur in neuem Glanz erstrahlen, sondern, viel wichtiger noch, mit strahlendem Tone zu hören sein. Unsere „Königin der Instrumente“, wie die Orgel von lang her genannt wird (wohl auch, weil sie in der Vielzahl ihrer Registerstimmen die unterschiedlichsten Instrumentalklänge zu Gehör bringen kann), ist in der Tat ein sehr gelungenes Bauwerk. Ihre zweimanualige Tastatur ermöglicht das Spiel mit unterschiedlichen Klangfarben und Nuancen: so kann etwa eine Melodie auf einem Manual hervorgehoben werden, während die Begleitstimmen auf dem anderen Manual und dem Pedal mehr im Hintergrund agieren. Die einzelnen Register, die für die Klangfarben zuständig sind, wurden sehr sorgfältig ausgewählt und äußerst ausgewogen aufeinander abgestimmt, so dass sie sowohl als Einzelstimme angenehm zu hören sind, als auch in Kombination mehrerer Register untereinander im Zusammenklang. Dies bewirkt, dass die Orgel zuweilen leise und zart klingen kann, dann wieder rauschend und mächtig – und je nach Art des Stückes und dem Feingefühl des Organisten gibt es viele, viele Zwischenstufen dieser Bandbreite.  Zwar gibt es durchaus größere und somit auch vielstimmigere Instrumente ihrer Art, doch ist die Orgel der Gnadenkirche sehr harmonisch in sich und zu dem Kirchenraum abgestimmt, was sie zu einem wirklichen Kleinod ihrer Art macht.

Es wird also eine besondere Freude sein, den schönen und vielstimmigen Klang dieses hochgeschätzten Instrumentes am 18. September 2016 endlich wieder hören zu können – zunächst im Einweihungsgottesdienst der Gnadenkirche, dann aber auch noch zu einer späteren Stunde und besonderen Gelegenheit:  „Am Nachmittag des 18. Septembers findet um 17.00 Uhr ein Konzert statt, bei dem die Orgel in all ihren Möglichkeiten zu hören sein wird“, so Matthias Michalek, Kirchenmusiker der Gnadenkirche. „Sie wird als Soloinstrument erklingen, u.a. mit der berühmten Toccata und Fuge von J. S. Bach, als Solistin in Händels Orgelkonzerten mit begleitendem Orchester, als continuo Begleitung zu Gesangs- und Instrumentalsolisten, als 4-händig bespieltes Duettinstrument und in weiteren Rollen.“

All das wird diejenigen, die bereits Orgelfans sind, sehr beglücken – und diejenigen, denen diese polyphone Königin bisher eher fern geblieben ist, sollten sich diese Chance nicht entgehen lassen, sie neu zu entdecken; denn eines steht fest: kaum ein zweites Instrument vermag menschliche Herzen so sehr zu berühren wie die Orgel.